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Der Mars Schokoriegel-Rückruf: Bittersüße Lektion aus der Lieferkette

Autor: Fiona Ashdown
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3. März 2016

 Mars, einer der weltgrößten Nahrungsmittelhersteller, geriet kürzlich durch einen Rückruf bei seinem beliebten Schokoriegel Snickers unfreiwillig in die Schlagzeilen.

Der (in diesem Guardian-Artikel geschilderte) Rückruf, der 55 Länder betraf, darunter auch Deutschland, Großbritannien und Frankreich, wurde gestartet, nachdem ein Kunde Anfang Januar in einem Snickers Riegel ein rotes Stück Kunststoff entdeckt hatte. Dieses ließ sich schnell zum niederländischen Produktionsstandort des Unternehmens zurückverfolgen. Offenbar handelte es sich um Teile einer Schutzabdeckung aus dem Produktionsprozess. Da sich nicht eindeutig bestimmen ließ, ob nur dieser eine Snickers Riegel durch Kunststoff kontaminiert war, initiierte Mars vorsichtshalber einen Rückruf aller in dem niederländischen Werk hergestellten Produkte.

Vermutlich wird diese Maßnahme das Unternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag kosten, aber es hätte weit schlimmer kommen können. Doch zum Glück hat Mars seine Lieferkette sehr gut unter Kontrolle. In diesem Fall ließ sich das Objekt sofort zu der Fabrik in den Niederlanden zurückverfolgen, sodass der Rückruf nur die dort in einem überschaubaren Zeitraum hergestellten Produkte betraf. Ohne ausreichende Transparenz in der Lieferkette hätte Mars den Rückruf womöglich ausweiten und auch weitere Produkte, Herstellungsdaten und Regionen in diesen einbeziehen müssen.

Food manufacturers need to have full visibility throughout the supply chain

In dem Zusammenhang sei auch an den sogenannten Pferdefleischskandal erinnert, der Findus vor erst drei Jahren einen „desaströsen PR-Albtraum“ bescherte.1 Damals kam heraus, dass die Rinder-Lasagne des Unternehmens bis zu 100 % Pferdefleisch enthielt. Vielleicht erinnern Sie sich, dass der rumänische Schlachthof, von dem der niederländische Findus-Lieferant das Fleisch bezogen hatte, seinerzeit jedes Fehlverhalten von sich wies. Eine Behauptung, die ohne vollständige Dokumentation bei allen an der Produktion beteiligten Parteien nur schwer zu widerlegen gewesen wäre.

Was also können wir aus dem Mars Rückruf lernen?  Die Maßnahme mag zwar kostspielig gewesen sein, aber das Problem hätte sich weit mehr auf den Ertrag und das Markenimage auswirken können, wenn man nicht in der Lage gewesen wäre, den Produktionsort und -zeitpunkt sowie die Distributionswege des betroffenen Produkts nachzuvollziehen. (Falls Sie erfahren möchten, wie man in der Automotive-Branche so eine Situation meistern kann, finden Sie hier einen entsprechenden Blog-Post).

Rückrufaktionen bei Lebensmittelprodukten kommen immer öfter vor. So meldete die Aufsichtsbehörde FSA für das letzte Jahr allein in Großbritannien einen Anstieg um 78 %.2

Erst diese Woche musste die in Northampton ansässige Weetabix Food Company einen Rückruf für ihre Oatibix Frühstücksflocken in der 550 g Packung starten, da in diesen kleine blaue Gummipartikel vermutet wurden. Dabei demonstrierte das Unternehmen überaus eindrucksvoll, wie gut es seine Produktdaten im Griff hat: So konnte die potenzielle Kontamination auf nur vier Produktionschargen eingegrenzt werden, was das Risiko und die potenziellen Kosten minimierte.

Aus beiden Beispielen  können wir lernen, wie entscheidend es für Unternehmen der Lebensmittelbranche ist, sämtliche Daten aus allen Bereichen der Lieferkette transparent machen zu können.

Die Vorteile einer transparenten Lieferkette in der Lebensmittelproduktion liegen auf der Hand:

  • Effiziente Verwaltung komplexer Produktdaten, wie Zutaten und Inhaltsstoffe sowie deren Nahrungseigenschaften und Ursprung
  • Einfache Anpassung an neue Gesetzgebung und Standards
  • Enge Zusammenarbeit mit Lieferanten, z. B. durch die Implementierung gemeinsamer Produktdatenstandards
  • Produktverfolgung über deren gesamten Lebenszyklus vom Ursprung bis ins Ladenregal

Lebensmittelhersteller nutzen Anwendungen für das Produktlebenszyklus-Management (PLM), um Produkte und Prozesse zu verwalten. In manchen Fällen reicht das allerdings nicht aus, da auch ein PLM-System letztendlich ein Datensilo ist, das nicht mit anderen Systemen interagiert. Stattdessen sollten diese Unternehmen auf Lösungen setzen, die in der Lage sind, Produktstammdaten zu sammeln, zu verwalten, zu veröffentlichen und im Unternehmen sowie über die gesamte Lieferkette hinweg weiterzugeben, und das in jeder Phase des Produktlebenszyklus. Mithilfe einer Lösung für die Stammdatenverwaltung in der gesamten Lieferkette stellt man sicher, dass selbst bittersüße Erfahrungen wie die von Mars keinen allzu bitteren Nachgeschmack hinterlassen.

PLM vs. PIM and MDM

[1] http://www.theguardian.com/business/2013/feb/08/horsemeat-lasagne-scandal-findus-reputation

[2] http://www.foodmanufacture.co.uk/Food-Safety/Food-and-drink-recalls-up-80-in-2015

 



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