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Was Sie über 'Party-Daten' wissen sollten

Autor: Darren Cooper
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1. Dezember 2017

Was versteht man eigentlich unter Party-Daten? Ich höre diese Frage immer wieder und habe festgestellt, dass auch der eine oder andere Stammdatenprofi offenbar nicht so ganz sicher ist, was die Wörter „Party“ bzw. „Partei“ in diesem Zusammenhang bedeuten. Dass dabei weder Cocktailpartys noch politische Parteien eine Rolle spielen, dürfte soweit klar sein … Tatsächlich geht es hier darum, den Ursprung personen- und auch firmenbezogener Daten zu spezifizieren. In diesem Blog-Post gehe ich ausführlich auf das Thema ein und erläutere, warum Sie gerade diese Daten im Griff haben sollten.

Party Data

Wie im Deutschen, so werden auch im Englischen im geschäftlichen oder juristischen Kontext Partner und Kontrahenten als „Parteien“ bezeichnet, wobei das einzelne Personen oder Organisationen sein können. Wird dieser Begriff auf Daten angewendet, unterscheiden wir unter First-, Second- und Third-Party-Daten. First-Party-Daten sind Ihre eigenen Informationen, die Sie beispielsweise über Ihre Website generiert haben. Solche Daten werden häufig auch mit einer zweiten oder dritten Partei ausgetauscht, was die Kommunikationswege für den Verbraucher oft nicht mehr nachvollziehbar macht. Deshalb versucht man, durch neue Gesetze, wie die 2018 in Kraft tretende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), strengere Regeln für die Zustimmung zur Nutzung der eigenen Daten zu implementieren.

Unter Second-Party-Daten versteht man die durch ein anderes Unternehmen gesammelten und ggf. vermarkteten Daten. Mit anderen Worten: Hier handelt es sich um die First-Party-Daten einer anderen Partei. Als Third-Party-Daten bezeichnet man Daten, die von einer Organisation gesammelt wurden, zu der Sie keine direkten Beziehungen unterhalten, zum Beispiel Datenhändler. Ein solcher „Dritter“ bietet seine Daten allen denkbaren Organisationen an. Das können Listen potenzieller Kunden für den Einzelhandel ebenso sein wie D-U-N-S-Nummern für Hersteller und Finanzdienstleister.

Als Third-Party kann man auch eine Partei bezeichnen, die nicht direkt an einer Transaktion beteiligt ist, diese  aber beeinflussen kann. Beispiele hierfür sind Rechtsanwälte und Finanzberater. Bei der Verwaltung von Kundenstammdaten kommt es auf die Beziehungen der einzelnen Parteien untereinander an, da diese spezifische Rollen spielen können. Dabei kann eine einzelne Partei auch mehrere Rollen innehaben. Nehmen wir zum Beispiel einen Bankkunden und nennen ihn Stefan. Stefan unterhält neben der Beziehung zu seinem Geldinstitut auch eine Partnerbeziehung zu seiner Frau Lena. Lena kann gleichzeitig aber auch in einer unterstützenden Beziehung zu Stefan stehen, da sie Vollmacht für sein Bankkonto hat und somit finanzielle Dinge für ihn regeln kann.

Lena: Parteityp = „Einzelperson“
Stefan: Parteityp = „Einzelperson“
Lena -> „in ehelicher Beziehung zu“ -> Stefan
Stefan -> „in ehelicher Beziehung zu“ -> Lena
Baufinanzierung -> „Rollenbeziehung = Darlehensnehmer“ -> Stefan
Baufinanzierung -> „Rollenbeziehung = Bankbevollmächtigte“ -> Lena

Bei diesem Beispiel ist völlig klar, dass es sich bei Stefan um einen Kunden handelt, da er der Darlehensnehmer ist. Lena ist keine Kundin, sie spielt in dem Konstrukt aber dennoch eine wichtige Rolle, über die z. B. der Kundendienstleiter informiert sein sollte. Deshalb ist es wichtig, in Stammdatenlösungen, die CRM-Aufgaben unterstützen, nicht nur den eigentlichen Kunden zu erfassen, sondern auch anderweitige Parteien, wie in diesem Fall Lena.

Ein weiterer, häufig verwendeter Begriff ist der der „beteiligten Partei“. Damit bezeichnet man Parteien, die ein gewisses Interesse an einer Beziehung, Geschäftstransaktion oder Rechtsstreitigkeit haben. Auch bei einer beteiligten Partei kann es sich um eine einzelne Person oder eine Organisation handeln.

Das mag jetzt zwar alles ein wenig nach Finanzjargon klingen, diese Begriffe werden aber in zahlreichen Branchen verwendet. Nehmen Sie zum Beispiel den Bereich Fracht und Logistik. Am Transport eines Pakets von A nach B sind zahlreiche Parteien beteiligt. Die für die Leistungserbringung (Lieferkette) verantwortliche Partei wird dabei oft als Lead-Logistiker oder Fourth-Party-Logistic-Provider (4PL) bezeichnet. Gerade in dieser Branche kommen viele Partner und Subunternehmer (Parteien) zum Einsatz, und man kann sich vorstellen, dass die Verwaltung einer solchen Lieferkette auf einem komplexen Beziehungsgeflecht basiert. Branchen wie der Logistiksektor, in denen mit hochkomplexen Kunden- und Partnerdaten gearbeitet wird, können besonders stark von einer Rationalisierung ihrer Geschäftsbeziehungen profitieren.

Die Fähigkeit, Parteidaten zu strukturieren, kann zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden, wenn man einzelne Parteien gruppieren will. Ist man zum Beispiel in der Lage, die diversen Angehörigen eines Haushalts zu bestimmen, kann das zusätzliche Upselling-Chancen bieten oder durch die Identifizierung unerwünschter Beziehungen Risiken reduzieren. 

Hierarchien sind vor allem hilfreich, um Unternehmensbeziehungen zu verstehen. Juristische Hierarchien helfen dabei, die Qualität der Daten zu verbessern, die Geschäftsbeziehungen beschreiben. In den Hierarchien selbst könnten Angaben über Beziehungen zu anderen Parteien enthalten sein, zum Beispiel Informationen dazu, wie eine beteiligte Partei (Einzelperson oder Organisation) mit einer bestimmten juristischen Person zusammenhängt.

In manchen Unternehmen sind die Kundenbeziehungen bestimmten Zyklen unterworfen, was die Verwaltung der Kundenstammdaten noch anspruchsvoller macht. In der chemischen Industrie sind zudem viele Unternehmen gleichzeitig Lieferant und Kunde. Die Fähigkeit einer Stammdatenlösung, die verschiedenen Rollenbeziehungen zu identifizieren, die zwischen Lieferanten und Kunden bestehen, kann die Bestimmung der Business-Performance vereinfachen, da sich auf diese Weise Fragen beantworten lassen wie: „Verkaufen wir mehr an diesen Partner als er an uns?“

Fazit: Das Wort Partei dient dazu, die wichtigen Beziehungen hinter einem bestimmten Datensatz transparent zu machen. Schafft man sich einen klaren und zuverlässigen Einblick in die Beziehungen zwischen allen Parteitypen, kann das wichtige Wettbewerbsvorteile sichern helfen.

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Darren Cooper hat einen Großteil seiner beruflichen Laufbahn in der Software-Vertriebsberatung verbracht und dabei verschiedene Branchen kennengelernt. Über die letzten 15 Jahre hat er sich auf das Thema Datenverwaltung spezialisiert und in dem Zusammenhang namhaften globalen Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Data Governance-Strategien geholfen. Heute unterstützt Cooper das Wachstum von Stibo Systems, indem er verdeutlicht, wie sich mithilfe unserer einzigartigen Technologie die digitale Transformation unserer Kunden beschleunigen lässt.


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